Cloud-Migration einfach erklärt
Eine Cloud-Migration bezeichnet die Verlagerung von Anwendungen, Daten, Servern oder anderen IT-Ressourcen in eine Cloud-Umgebung. Dabei können Systeme aus einem lokalen Rechenzentrum vollständig oder teilweise zu einem Cloud-Anbieter übertragen werden.
Ziel ist häufig eine flexiblere, skalierbare und leichter verwaltbare IT-Infrastruktur. Eine Cloud-Migration ist jedoch mehr als das reine Kopieren von Daten. Anwendungen, Abhängigkeiten, Sicherheit, Kosten und Betriebsprozesse müssen sorgfältig geplant werden.
Was wird bei einer Cloud-Migration übertragen?
Je nach Projekt können unterschiedliche Bestandteile der IT-Infrastruktur migriert werden:
- Dateien und Datenbanken
- virtuelle Maschinen und Server
- Unternehmensanwendungen
- E-Mail- und Kollaborationsdienste
- Datensicherungen
- Entwicklungs- und Testumgebungen
- Benutzerkonten und Identitäten
- Netzwerk- und Sicherheitsdienste
Nicht jedes System muss vollständig in die Cloud verlagert werden. Viele Unternehmen entscheiden sich für eine hybride Umgebung, in der lokale Systeme und Cloud-Dienste gemeinsam genutzt werden.
Wie läuft eine Cloud-Migration ab?
Eine erfolgreiche Cloud-Migration erfolgt normalerweise in mehreren Schritten.
1. Ziele definieren
Zunächst wird festgelegt, warum ein System in die Cloud verlagert werden soll.
Mögliche Ziele sind:
- bessere Skalierbarkeit
- höhere Verfügbarkeit
- geringerer Hardwareaufwand
- Unterstützung mobiler Arbeitsplätze
- schnellere Bereitstellung neuer Systeme
- Modernisierung veralteter Anwendungen
- bessere Zusammenarbeit zwischen Standorten
Die Migration sollte nicht allein erfolgen, weil Cloud Computing als modern gilt. Für jede Anwendung muss ein konkreter Nutzen erkennbar sein.
2. Bestehende IT analysieren
Vor der Migration werden die vorhandenen Systeme, Daten und Abhängigkeiten erfasst.
Dabei wird unter anderem geprüft:
- Welche Anwendungen sind vorhanden?
- Welche Systeme kommunizieren miteinander?
- Welche Datenmengen müssen übertragen werden?
- Welche Anforderungen bestehen an Leistung und Verfügbarkeit?
- Gibt es veraltete oder nicht mehr benötigte Systeme?
- Welche Datenschutz- und Compliance-Vorgaben gelten?
Fehlende Kenntnisse über Abhängigkeiten sind eine häufige Ursache für Probleme während einer Migration.
3. Cloud-Plattform auswählen
Anschließend wird geprüft, welche Cloud-Plattform und welches Betriebsmodell zu den Anforderungen passen.
Bekannte Plattformen sind beispielsweise:
- Microsoft Azure
- Amazon Web Services
- Google Cloud
Auch spezialisierte SaaS-Anwendungen oder Cloud-Angebote regionaler Rechenzentren können Teil einer Cloud-Migration sein.
4. Migrationsstrategie festlegen
Nicht jede Anwendung wird auf die gleiche Weise migriert.
Häufige Strategien sind:
- Rehosting: Ein bestehendes System wird weitgehend unverändert in die Cloud übertragen.
- Replatforming: Die Anwendung wird mit kleineren Anpassungen auf eine Cloud-Plattform verlagert.
- Refactoring: Die Anwendung wird technisch überarbeitet und stärker an Cloud-Dienste angepasst.
- Repurchasing: Eine bestehende Anwendung wird durch eine cloudbasierte Standardlösung ersetzt.
- Retaining: Ein System bleibt zunächst in der bisherigen Umgebung.
- Retiring: Nicht mehr benötigte Anwendungen werden abgeschaltet.
Die passende Strategie hängt von Kosten, Risiko, Zeitrahmen und technischem Zustand der Anwendung ab.
5. Sicherheit und Berechtigungen planen
Vor der Migration müssen Zugriffsrechte und Sicherheitsmaßnahmen festgelegt werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- Multi-Faktor-Authentifizierung
- rollenbasierte Berechtigungen
- Verschlüsselung
- Netzwerksegmentierung
- Protokollierung und Überwachung
- Datensicherung
- Notfall- und Wiederherstellungsverfahren
Die Cloud ist nicht automatisch sicher. Anbieter und Kunde teilen sich die Verantwortung für den Schutz der Umgebung.
6. Daten und Anwendungen migrieren
Die eigentliche Übertragung kann schrittweise oder zu einem festgelegten Zeitpunkt erfolgen.
Bei einer schrittweisen Migration werden einzelne Anwendungen oder Abteilungen nacheinander umgestellt. Bei einer sogenannten Big-Bang-Migration erfolgt die Umstellung vieler Systeme gleichzeitig.
Schrittweise Migrationen sind häufig leichter zu kontrollieren, benötigen aber einen längeren Parallelbetrieb.
7. Testen und in Betrieb nehmen
Vor der endgültigen Umstellung müssen Anwendungen und Daten ausführlich geprüft werden.
Wichtige Tests betreffen:
- Vollständigkeit und Integrität der Daten
- Funktion der Anwendungen
- Benutzeranmeldungen und Berechtigungen
- Schnittstellen zu anderen Systemen
- Leistung und Verfügbarkeit
- Datensicherung und Wiederherstellung
- Sicherheitskonfigurationen
Erst nach erfolgreicher Prüfung sollte das bisherige System abgeschaltet werden.
Welche Vorteile bietet eine Cloud-Migration?
Eine gut geplante Migration kann mehrere Vorteile bieten:
- flexible Bereitstellung von IT-Ressourcen
- einfachere Skalierung
- geringerer Aufwand für lokale Hardware
- bessere Unterstützung verteilter Standorte
- Zugriff auf moderne Cloud-Dienste
- schnellere Bereitstellung neuer Anwendungen
- zentrale Verwaltung und Überwachung
Ob tatsächlich Kosten eingespart werden, hängt von der Nutzung und laufenden Optimierung ab. Nicht benötigte oder überdimensionierte Cloud-Ressourcen können hohe Folgekosten verursachen.
Welche Risiken gibt es?
Mögliche Risiken einer Cloud-Migration sind:
- unerwartete Ausfallzeiten
- unvollständig übertragene Daten
- übersehene Anwendungsabhängigkeiten
- falsch konfigurierte Berechtigungen
- unerwartet hohe Betriebskosten
- Leistungsprobleme
- Abhängigkeit von einem Anbieter
- unklare Zuständigkeiten
- fehlende Rückfall- und Wiederherstellungspläne
Eine Migration sollte deshalb immer mit einem dokumentierten Zeitplan, klaren Verantwortlichkeiten und einer Rückfallstrategie durchgeführt werden.
Fazit
Eine Cloud-Migration verlagert Daten, Anwendungen und IT-Ressourcen aus einer bestehenden Umgebung in die Cloud. Sie kann Unternehmen mehr Flexibilität, Skalierbarkeit und Zugriff auf moderne Dienste bieten.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Migration sind eine gründliche Bestandsaufnahme, eine geeignete Migrationsstrategie, sichere Konfigurationen und umfassende Tests. Auch nach der Umstellung müssen Kosten, Leistung und Sicherheit kontinuierlich überwacht werden.


